Page — Bier mit Tequila
April 4, 2006 5:06pm (edit)
Ich sitze wieder in der Kneipe. Ich bin nicht allein am Tisch und doch bin ich so allein.
Allein mit Umsturzgedanken, allein, ohne Liebe.
Ich rauche. Zuviel. so wie ich es schon die ganze Zeit tu, seit dem ich allein bin.
Klammere mich verzweifelt an Glimmstengel, Bierglas und Pinneken. Nicht mehr fähig positiv zu denken. Nicht mehr fähig Gefühle zu zeigen. Nur noch fähig schal zu lächeln.
Nur noch fähig weiter zu verzweifeln.
Ob sie es merken? Gelingt es mir meine Stimmung zu überspielen?
Gut, die merken, das ich zu schnell trinke, zuviel rauche. Ich stehe auf. Ab zum Automaten, Packung ist leer, die hatte ich doch erst heute Mittag gekauft, und nur 3 Kippen verschenkt. Auch egal, die Nacht ist noch lang. Schnell noch das nächste Bier geordert, und abgewartet, das ich 's krieg.
Jedenfalls, mehr merken die nicht. Luckily.
Früher hab ich, wenn ich mal geraucht habe, war damals ja noch jemand gegen, richtig genießen können. Kann ich nicht mehr. Kriege Gezitter. Drehe halb durch, starre melancholisch abwesend verwirrt auf schlecht dekorierte Tischplatten, Theken, Böden. Kann nicht mehr abschalten. Nicht entspannen. Kann kaum schlafen, obwohl total übermüdet. Kann nicht konzentriert arbeiten. Denke dauernd gegen meinen Willen zurück. Esse entweder zu wenig oder zuviel zu schnell. Mir schmeckt nichts mehr. Trinke zuwenig Alkoholfreies.
Sitze wieder am Tisch.
Zwei Kippen später. Tequila-Runde. Erst in hohle Augen schauend anstoßen, Salz lecken, kippen und in die Zitrone beißen. Die Zitrone jedenfalls schmeckt nicht. Zu bitter. Pestizide oder so. Kann aber auch am Teerbelag meiner Zunge liegen...
Egal. Hab ja immerhin tolle Freunde. Mein alter Freundeskreis, heuchelnd weiter gepflegt, war na ja, mit dem Freundeskreis brauchst du immerhin keine Feinde mehr. Echt nicht.
Bevor das Bier schal wird trinke ich es lieber schnell aus. Saufe weiter.
Billard. Ich persönlich präferiere nach wie vor Kickern. Mehr Äktschön, das.
Jetzt aber: Linke Hand: Bierglas. Rechte Hand: Kippe. Gelegentlich Handchange.
Langsam werde ich angenehm betrunken. Wieder ist das Glas leer, hat wohl 'n Loch.
Trinkpause. Wenn ich das nicht täte, dann würde ich zu schnell zu voll. Dann würde ich zuviel erzählen. Andere mit runterziehen. Gut, es ginge mir dann wohl vermutlich besser.
Aber der beste Grundsatz, den ich in diesem Leben bislang hatte, war immer noch: Vertraue niemand. Also darf ich meine Vergangenheit niemand darlegen, und hätte ich nicht jemals den Grundsatz gebrochen, hätte ich jetzt auch nicht diese Probleme.
Außerdem: Die meisten Leute, die können dir schwören nichts weiterzuerzählen. Und dann, beim nächsten Mal wenn sie voll sind, erzählen sie den Kram dann doch irgendwem. Weil sie nicht drauf klarkommen. Und dann.... irgendwann bekommen es dann die Rumposauner, Alibidemagogen, Turborumposauner mit, und jeder, der sich nicht die Ohren mit Oropax verschließt, weiß dann von deinen Problemen.
Ich bin nicht böse, wenn jemand nicht das Maul halten kann. Rede selber nur von so Mistthemen wenn ich total auf Alk bin. Aber - ich muss achtgeben, das fühle ich.
Denn meine Geschichte ist so schlimm, das ich wirklich nicht drauf klarkomme. Ich werd sie hier nicht schildern. Vielleicht wird niemand dahinterkommen, was ich verberge, vielleicht werde ich den Mist nie aus dem Kopf kriegen. Bis es dann zu spät ist. Bis ich dann durchdreh. So richtig.
Ich trinke weiter. Was schon nach Hause? Ist doch erst halb zwei... Lamer.
Irgendwann müssen wir alle gehen. Für immer. Mich fasziniert ja die römische Jenseitsvorstellung. Klar, ich bin nicht religiös. Ich glaube auch nicht an ein Leben nach dem Tod, bin ja ein rationaler Mensch. Nein, da belüge ich mich ausnahmsweise mal nicht selber. Fände das echt schrecklich, wenn der Scheiß nie aufhören würde.
Anyway. Das mit dem Styx und dem Fährmann, das gefällt mir. Das kann man sich leicht vorstellen, und wenn man sich einen nebelverhüllten Fluss vorstellt, über den dann das einsame Boot fährt, das hat echt was, das ist irgendwie romantisch.
Brauche wieder was zu trinken. Hand zittert/zählt: Fuck You, Peace, Hail Satan, 2+2, Full Hand. Trinke. Merke, das es Zeit ist zu gehen. Breche auf Verabschiede mich im davonschwanken. Morgen sehen wir uns ja wieder. Muss jetzt nach Hause. Musik hören. Einpennen. Unruhig schlafen, um verkatert aufzuwachen.
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